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Die EU im Krisen- und Überlebensmodus
Den Uranus- folgen die Pluto-Transite

von Claude Weiss

13. April 2017

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Fig. 1
EWG Römervertrag
25. 3. 1957, 18:30 LT, 17:30 GT
Rom, I (41N54, 12E29)
Koch

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Fig. 2
EU: EG-Fusionsvertrag
01. 7. 1967, 0:00 LT
Brüssel, B (50N50, 4E20)
Koch

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Fig. 3
Maastricht: Inkrafttreten
01.11. 1993, 0:00 LT
Brüssel, B (50N50, 4E20)
Koch

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Fig. 4
Brexit-Abstimmung
23. 6. 2016, 22:00
London, GB (51N30, 0W10)
Koch

In der Februar/März 2016-Nummer von Astrologie Heute (Nr. 179) veröffentlichten wir einen Artikel von Karen Hamaker-Zondag mit dem Titel „Die europäische Union: Jetzt erst geht’s richtig los!“

 

Das Horoskop des Römer-Vertrags

Wenn wir für die EU das Horoskop des Römer Vertrages vom 25. März 1957, 18.30 Uhr, Rom (Fig. 1) zugrunde legen – wie dies meistens getan wird, denn dieser Zeitpunkt entspricht der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), der Vorläuferorganisation der Europäischen Union – haben wir den Eindruck, dass mit Planeten- und Achsenständen von lediglich 0 – 10 Grad im kardinalen Kreuz die Herausforderungen, die von Pluto und von den exakten Uranus/Pluto-Quadraten ausgingen, die wir in den letzten Jahren erlebten, Anfang 2014 ihren Abschluss genommen haben sollten. Danach müsste es – zumindest von den Transiten her – eine Pause gegeben haben, bis in der zweiten Hälfte 2018 der erste Übergang des Uranus ins fixe Zeichen Stier stattfindet und vielleicht noch etwas stärker ab 2019, wenn es zum definitiven Uranus-Übertritt kommt und das Spannungsdreieck zwischen Uranus, Neptun und Mond auf explosive Weise ausgelöst wird. Dies kann man sich durchaus vorstellen, denn wir können noch nicht so genau wissen, was die kommenden Jahre bringen.

Dennoch ist es erstaunlich, dass der gravierende Vorgang des Austritts Grossbritanniens aus der Europäischen Union im Horoskop des Römer-Vertrags nicht durch wesentliche Transite widergespiegelt wird. Höchstens in der Form, dass am 23. Juni 2016, als die EU-Abstimmung in Grossbritannien stattfand, der Saturn transitär auf seine Geburtsstellung zurückfand, was exakt im Februar, im Mai und erneut im Oktober 2016 der Fall war. Im oben erwähnten EWG-Horoskop (Fig. 1) steht Saturn im 3. Haus in Schütze und es ist naheliegend, dass Misstrauen, Missverständnisse und schlechte Kommunikation (unter anderem durch Artikel von englischen Medien, die teilweise das Bild entwarfen, es würde den Briten ohne Zugehörigkeit zur EU besser gehen).

Neben der nicht sehr aussagestarken Transite ist aber sicher interessant, dass die progressive Sonne des Römer Vertrags per 1. Januar 2017 auf 3 Grad Zwillinge zu liegen kommt, und damit ein Trigon zum Mond, ein Sextil zum Uranus und ein Quinkunx zum Neptun macht, um danach als nächstes (in 1 ½ Jahren) auf die Konjunktion mit dem Radix-Mars (knapp 5 Grad Zwillinge) zuzusteuern. So lässt sich argumentieren, dass zwischen 2016–2018 gradmässig durch die Progressionen der Sonne sämtliche persönliche Planeten des Horoskops berührt werden, was die Spannungsfigur zwischen Uranus, Neptun und Mond, ebenso wie die harmonischen Konstellationen zwischen Mond, Sonne, Mars und Uranus zum Klingen bringt. Man kann auch argumentieren, dass die konverse Sonne, die sich per 1. Januar 2017 auf etwas weniger als 5 Grad Wassermann befindet und in den folgenden 2–3 Jahren eine Konjunktion mit dem Radix-Mond, eine Opposition zum Radix-Uranus und ein Quadrat zum Radix-Neptun bildet, wichtige Stellungen auslöst. Damit würden auch die konversen Progressionen die Existenz prägnanter zeitlicher Auslösungen bestätigen.

 

Aussagekräftigeres Horoskop des EG-Fusionsvertrages vom 1. Juli 1967

Dennoch finde ich diese Herleitungen, die sich erst im Zusammenhang mit dem Übergang des Uranus ins Stierzeichen Mitte 2018 auch durch Transite verfolgen lassen, in dem Sinne etwas weit hergeholt, als sie erst auf den zweiten Blick sichtbar sind. Es waren auch nicht diese Art von Auslösungen, die Karen Hamaker-Zondag im Kopf hatte, als sie in ihrem Artikel von Anfang 2016, unmittelbar bevorstehende stürmische Zeiten für die EU voraussagte. Die erfahrene Mundanastrologin arbeitet nämlich mit einem anderen Horoskop für die EU, dem EG-Fusionsvertrag zwischen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EAG). Der entsprechende Vertrag trat am 1. Juli 1967 um 0.00 Uhr in Kraft und das für Brüssel erstellte Horoskop ist in Figur 2 abgebildet.

Auffällig ist an diesem Horoskop die Spannungsfigur, die zwischen Lilith und Mond auf 21 Grad Widder, rückläufigem Merkur auf 21 Grad Krebs und Mars auf 22 Grad Waage stattfindet. Eine Dissonanz auf ähnlichen Gradzahlen wiederholt sich übrigens im Horoskop für das Inkrafttreten des Maastricht/EU-Vertrages vom 1.11.1993, wo sich eine Spannungsfigur zwischen der Venus auf 20 Grad Waage und Neptun/Uranus auf 19 Grad Steinbock ereignet. Das Horoskop für das Inkrafttreten des EG-Fusionsvertrags hat jedoch im Hinblick auf die EU-Horoskope Priorität, denn es ist das früheste Horoskop für den Moment, ab welchem – gemäss Karen Hamaker-Zondag – „die EU ihre Struktur besitzt, die sie heute noch immer hat: eine europäische Kommission, ein europäisches Parlament usw.“

 

Akute Uranus-Auslösungen seit Sommer 2015, gefolgt von Pluto-Transiten

Dass eine Mond-Stellung in Widder, in gradgenauer Konjunktion mit der Lilith, Quadrat rückläufiger Merkur und Opposition Mars, das Ganze in einer Yod-Figur zu Uranus/Pluto und Neptun, verschiedene Stolpersteine mitbringt, ist naheliegend und auch die Tatsache, dass die Mond/Lilith-Konjunktion und der Mars auf der eingeschlossenen Widder/Waage-Achse liegen, ist kein gutes Omen. So kann man erwarten, dass, wenn immer der Bereich von 20–22 Grad kardinal durch Transite oder andere Konstellationen aktiviert wird, heftige Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse ausbrechen, die vorher vielleicht lange Zeit in der Latenz lagen. Dabei geht es zum grossen Teil um irrationale Erwartungen und Forderungen, die mit den verschiedenen Mentalitäten und der unterschiedlichen Geschichte der in der EU zusammengekommenen Völker zu tun hat. Dass die Probleme im September 2015 im Zusammenhang mit den Flüchtlingen akut wurden, als Angela Merkel eine „Willkommenskultur“ proklamierte, erscheint plausibel, wenn man bedenkt, dass damals, am 26. Juli, der Uranus auf 20.30 Grad Widder auf 15 Bogenminuten von der Lilith und 47 Bogenminuten vom Mond entfernt eine Station machte und damit erstmals diese Gradzahl erreichte (dies passierte nochmals in direktläufiger Bewegung im April 2016 und erneut über eine zur Direktläufigkeit drehende Station vom 29. Dezember auf 20.33 Grad Widder). Der sensible Bereich, der aufgrund der Mars-Stellung bis 22 Grad kardinal reicht, wurde vom Uranus im März 2017 verlassen, aber es ereignet sich am 20. April eine zur Rückläufigkeit drehende Station des Pluto auf 19.24 Grad Steinbock, gradmässig nicht weit entfernt von der beschriebenen Spannungsfigur. Auch spielt dabei eine Rolle, dass Jupiter am 6. Februar auf 23.08 Grad Waage eine zur Rückläufigkeit drehende Station machte, sodass er sich zwischen Dezember 2016 und März 2017 im Bereich von 20–23 Grad Waage bewegte, eine Position, die er zum letzten Mal August/September  2017 passiert.

Während Uranus sich von den schwierigen Konstellationen zum EU-Horoskop im Frühjahr 2017 verabschiedet, Jupiter das Feuer weiterhin am Lodern hält, kommt Pluto zwischen März–Juni 2018 und nochmals während fast des ganzen Jahres 2019 auf die Gradzahlen von 20–22 kardinal zu liegen.

Diese Konstellationen beschreibt Karen Hamaker-Zondag im oben erwähnten Artikel der Februar/März 2016 Nummer von Astrologie Heute folgendermassen:

„Uranus wurde im Sommer 2015 innerhalb von 1 Grad zum Radix-Mond der EU stationär, und in kurzer Zeit hat Uranus damals alle Teilnehmer der Yod-Figur aspektiert… Uranus war ein Schock, ein Schrecken. Ganz plötzlich war das Bild Europas gestört, man musste sofort handeln und entscheiden, und die Emotionen gingen hoch. Sowohl positive wie sehr negative und gewalttätige Reaktionen waren zu beobachten. Während ‚Mutti Merkel‘, wie die Flüchtlinge die deutsche Kanzlerin nannten, diese anfangs herzlichst einlud und begrüsste, baute Ungarn gleichzeitig Mauern und Stacheldraht-Zäune, um die Menschenmasse abzuwehren. Es gab überhaupt keine Übereinstimmung in Europa, keine Einheit. Jedes Land wollte seine eigene Lösung, und auch das Verteilen von Flüchtlingen in die verschiedenen EU-Länder funktionierte nicht…“

Gemäss Karen Hamaker-Zondag haben die vom Uranus aufgebrachten Fragen mit Volk (Mond), mit Zusammenarbeit, Zusammensein und Zugehörigkeit (7. Haus) zu tun und die Antworten, die dabei gegeben werden, können zur Spaltung der EU führen. Tatsächlich fand am 23. Juni 2016 mit Pluto auf 16.33 Grad Steinbock und Uranus auf 23.59 Grad Widder (Mittelwert 20+ Grad kardinal) die Brexit-Abstimmung (Fig. 4) statt, ein Referendum, in welchem sich die Briten knapp für einen Austritt aus der EU entschieden. Bemerkenswert ist, dass an jenem Tag zwar die Venus auf der Sonne des EU-Horoskops lag, die im Anderthalbquadrat zum Neptun steht, eine Position, die durch den rückläufigen Mars des Tages auf 23 Grad Skorpion aufgenommen wurde, womit dieser die Venus/Neptun-Quadratur des EU-Horoskops aggressiv und nachtragend auflud. Fazit: Man fühlt sich von der Beziehung enttäuscht, weil man andere Vorstellungen hatte. Ein schwarzer Tag für die EU, der sich auch darin widerspiegelt, dass die Lilith (unvereinbare Standpunkte) an jenem verhängnisvollen 23. Juni auf 4 Grad Skorpion am absteigenden Mondknoten des EU-Horoskops im 8. Haus zu liegen kam und der Chiron, ebenfalls gradgenau, den Aszendenten besetzte.

Zu den Uranus-Auslösungen nach dem Frühjahr 2016 meinte Karen Hamaker-Zondag in ihrem im Januar 2016 verfassten Artikel:

„Doch diese Uranus-Transite sind erst der Anfang des Prozesses. Wie erwähnt, wiederholt Uranus seine Aspekte: Im April/Mai 2016 kehrt er zurück an die Konfliktstelle und er wird auch von Oktober 2016 bis April 2017 innerhalb von 1 Grad Orbis sein und Ende Dezember 2016 dort sogar stationär werden, was seine Wirkung noch verstärkt.“

Im Hinblick auf die gegenwärtige Zeit und das nächste Jahr äussert sie sich folgendermassen:

„Bis in die erste Hälfte 2017 ist Uranus in dieser Figur [Mond in Widder Opposition Mars, Quadrat Merkur, Quinkunx Uranus/Pluto und Quinkunx Neptun] aktiv, ab und zu verstärkt von Jupiter. Und Anfang 2017 kommt Saturn ins Quadrat zum Aszendenten der EU. Er wird dann im April am MC stationär, bewegt sich zurück und wiederholt diese Aspekte. Wenn Saturn in einem Landeshoroskop die ‚Ausgänge‘ aspektiert (Aszendent und MC sind die Brücken zur Aussenwelt), werden unterschwellige Strukturprobleme deutlich, und es kann hier die Frage auftauchen, welche Rolle Europa in der Weltpolitik noch spielen kann und will.

Warum ist es so wichtig, die Probleme der EU heute ehrlich zu benennen und zu verstehen, dass es in der Gemeinschaft zahlreiche Spaltungsfaktoren gibt? – Einfach deshalb, weil ab 2018 der Transit-Pluto das T-Quadrat zwischen Mond, Merkur (Herr 7) und Mars aspektiert und es zu einem grossen Quadrat kommt! Pluto will die Wahrheit kompromisslos ans Licht bringen, und er fordert von uns totale Ehrlichkeit uns selbst gegenüber sowie das Bewusstsein unseres eigenen Schattens. Dasselbe gilt auch für Organisationen, Länder usw. Alles, was die EU-Politiker ignoriert oder verneint haben und damit in den Schattenbereich verdrängten, tritt mit Pluto-Transiten in einer Krise zutage. Pluto zwingt uns, das Absterben zu lassen, was ausgedient hat, damit die Zukunft geboren werden kann…

Wenn die EU während des Uranus-Transits keine Lösungen findet für ihre inneren Spaltungstendenzen, wird Pluto den Finger auf den wunden Punkt des EU-Fundaments legen. Und das kann zu intensiven und sehr emotionalen Konfrontationen führen.“

Zu den Separatismusbestrebungen meint Karen Hamaker-Zondag, dass sich darin „tiefe Differenzen in Kultur, Gesellschaft und nationalen Gefühlen“ spiegeln. Die EU könnte im Weiteren auch damit ein Problem haben, dass, mit Transiten zum Herrscher des 8. Hauses (Mars), „sich auch geheime Mächte einmischen könnten – Mächte, die eine Spaltung Europas vorantreiben. Könnte das die Rolle Putins sein?“

Der Verlauf der bevorstehenden französischen Wahlen vom 23. April und vom 7. Mai 2017 wird dies möglicherweise zeigen. Er könnte für die Zukunft der EU entscheidend sein.

 

Doch zunächst stehen die Oster-Feiertage vor der Tür: In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Fest!

 


 
Claude Weiss, beschäftigt sich seit bald 50 Jahren mit Astrologie; Herausgeber der Zeitschrift ASTROLOGIE HEUTE; gründete 1978 die Astrodata AG, welche astrologische Textanalysen anbietet; Präsident des Schweizer Astrologenbundes (SAB); gefragter Referent an internationalen Kongressen. Bücher: «Warum wir uns inkarnieren - Das Geheimnis des karmischen Neumondes», «Horoskopanalyse» Band 1 und Band 2 (Band 2 ist in einer überarbeiteten und stark erweiterten Neuauflage erhältlich), «Karmische Horoskopanalyse», Band 1 und Band 2, Mitautor der Bücher «Pluto – Eros, Dämon und Transformation», «Die Lilith-Fibel», «Wendezeit 2010-2012», «Visionen einer neuen Zeit», E-Mail an Claude Weiss

 

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