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Nr. 188, 2017, Aug. / Sept. Inhalt
 
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I N    M E M O R I A M

 

Zum Tod von Helmut Kohl † 

von Alexandra Klinghammer
 

   
 
Helmut Kohl, 1930–2017
(Wikimedia/CDU-Plakat/Archiv für Christlich-Demokratische Politik, ACDP)
 

«So manche Geister schieden sich an ihm. Nicht wenige haben sich an ihm abgearbeitet und gerieben. […] Doch das tritt zurück hinter dem überragenden Lebenswerk.» Diese Worte, die Angela Merkel an der Trauerfeier für den am 16. Juni verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl im Europaparlament in Strassburg sprach, fassen in drei Sätzen den Kern des politischen Lebens von Helmut Kohl zusammen.  

Als Kohl 1982 an die Macht kam, hätte kaum ein Zeitgenosse gedacht, dass dieser Mann einmal grosse Geschichte schreiben würde. Zu bieder-bürgerlich, zu durchschnittlich wirkte er. Das Satiremagazin «Titanic» erfand dafür das Bild der «Birne». Es stand für Provinzialität und Mittelmass. Millionenfach kopiert, blieb dieses Konterfei jahrelang an ihm haften. Bis sich 1990 ein anderes Bild mächtig in den Vordergrund schob: das des Einheitskanzlers. Zwar wirkte er auch dann irgendwie noch nicht wie der geborene Staatsmann, aber man begann zu begreifen, dass der bodenständige Pfälzer mit seiner Strickjackendiplomatie der richtige Mann zur richtigen Stunde war. Seine Fähigkeit, vertrauensvolle persönliche Beziehungen aufzubauen, die ihm seine Venus am Aszendenten (Fig. 1) verlieh, hat wesentlich dazu beigetragen, dass Russland, Frankreich und die USA damals grünes Licht für die Wiedervereinigung Deutschlands gaben. Bereits seit Beginn seiner Kanzlerschaft unterhielt er zum damaligen französischen Präsidenten François Mitterrand ein freundschaftliches Verhältnis. Unvergessen die symbolträchtige Geste, als sich beide 1984 auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Verdun die Hände zur Versöhnung reichten. Und auch die Beziehung zum ehemaligen russischen Präsidenten Michail Gorbatschow war bald einmal von aufrichtiger Sympathie begleitet.

Neben seiner Fähigkeit, Bündnisse zu schliessen, und seinem taktischen Geschick verlieh ihm sein stark besetztes zwölftes Haus ein untrügliches Gespür für die Gunst der Stunde. Wahr ist aber auch, dass ohne die ostdeutsche Revolution und den Fall der Mauer Kohl niemals derartig Geschichte geschrieben hätte. Er, der in jungen Jahren selbst Geschichte studiert hatte, fiel der einmalige historische Moment quasi vor die Füsse. Dass er diesen zu nutzen verstand, darin liegt seine grosse Lebensleistung.

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Fig. 1
Helmut Kohl
3. 4. 1930, 6:30 LT, 5:30 GT
Ludwigshafen, D (49N27, 8E26)
Koch (GZQ: Taeger, IHL, A)

 
   

Kohl hatte einen ausgesprochenen politischen Instinkt, und er war ein ausgeprägter Machtpolitiker, ausgestattet mit dem Gefühl für das Machbare. Sein Saturn steht am MC in Steinbock im Quadrat zu seiner Merkur/Sonne/Uranus-Konjunktion und in Opposition zu Pluto in der Nähe seines IC. In diesem machtvollen T-Quadrat spiegeln sich sowohl Triumph und Tragik seines Lebens. Einerseits der Mut zu grossen Visionen und die Fähigkeit, diese mit Entschlossenheit zu realisieren. Andererseits die Bitterkeit und zunehmende Isoliertheit der späten Jahre, sowohl im Politischen wie im Privaten. Die grosse Zäsur kam 1999, als ihn lediglich ein Jahr nach Ende seiner Kanzlerschaft die Spendenaffäre ereilte. Mit seiner hartnäckigen Weigerung, die Namen der ehemaligen Geldgeber offenzulegen, womit er sein Ehrenwort über das Gesetz stellte, verstörte er Öffentlichkeit wie Partei gleichermassen und verhinderte, dass die Sonne des Spätruhms über ihm aufging. Selbst langjährige Weggefährten gingen auf Distanz. Um Kohl wurde es immer einsamer.

Auch sein Privatleben war in seinen späten Jahren von vielen Tragödien überschattet: der Freitod von Ehefrau Hannelore, sein schweres Schädel-Hirn-Trauma nach einem Sturz von der Kellertreppe sowie das tiefe Zerwürfnis zwischen ihm mit seiner zweiten Frau Maike und seinen Söhnen. Sein Pluto im vierten Radix-Haus wurde für ihn im Alter wahrlich zu einer Prüfung. Wie unüberwindbar die Gräben zu seinem früheren Umfeld am Ende seines Lebens waren, wurde für jeden angesichts der peinlichen Streitereien rund um seine Trauerfeier sichtbar. In ihnen hallte eine ausgeprägte Neigung nach, die Welt in Freund und Feind zu teilen. Wer einmal seine Gunst verlor, für den war die Tür für immer verschlossen. Kohl war mit seinem Mond/Neptun-Quadrat und als starker Zwölft-Häusler eigentlich ein sehr empfindlicher Charakter. So konnte er sich noch Jahre später an jedes Detail einer für ihn kränkenden Situation erinnern. Die Geste der Versöhnung, die ihm im Politischen so vortrefflich gelang – man hätte sie ihm auch im Privaten gewünscht.

Was bleibt von Helmut Kohl? In erster Linie seine bedeutende politische Leistung für Deutschland und Europa. Wie eng sein persönliches Leben mit dem Kollektiven verzahnt war, zeigen die Berührungspunkte zwischen seinem und dem deutschen Horoskop. Deutschland ist traditionell ein Widder-Land. Kohl war selbst mehrfacher Widder. Seine Sonne/Uranus-Konjunktion steht auf dem MC des Deutschlandhoroskops. So hat er das Leben von Millionen von Deutschen in Ost und West tiefgreifend für immer verändert.

Kohl starb unter dem Transit des Uranus auf seiner Venus am Aszendenten, dem laufenden Neptun auf seinem Mars Spitze des zwölften Hauses sowie dem laufenden Pluto in Opposition zu seinem Radix-Pluto.

 

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