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Nr. 190, 2017, Dez. / Jan. Inhalt
 
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Zum Tode von Akron † 

von Armando Bertozzi
 

   
 
Akron (Carl Friedrich Frey) Foto: Armando Bertozzi
 

Am 11. Oktober ist der bekannte Schweizer Astrologe, Philosoph, Schriftsteller und Okkultist Carl F. Frey alias Akron verstorben. In der astrologischen Landschaft nahm er eine Sonderstellung ein.

Er war schon immer eine auffällige Type: die blonden Strähnen lang und etwas wirr, der Blick spöttisch, aber nicht unfreundlich, die Nase so spitz wie seine Zunge. Im Gespräch hievte er dich bald einmal auf eine Achterbahn rasender Gedanken, die dich hypnotisch mitzerrten und jeden Moment zu erschlagen drohten (siehe Merkur-Aspekte im Horoskop). Früher oder später riss der Faden, und dir blieb nur übrig, dir nichts anmerken zu lassen und benommen auf die nächste Pause zu warten. Das konnte dauern. Er merkte das natürlich und liess eine skurrile, witzige Bemerkung über Gott, die absurde Welt und die lächerlichen Menschen fallen, die dich laut auflachen liess. Dann ging die Fahrt weiter. Dabei schlug er sich ständig und wie als Taktgeber für seine Gedankensymphonie mit dem Zeigefinger auf den Brillensteg bei der Nasenwurzel. Eigenartigerweise hat sich dieses Szenario solange ich ihn kannte nie geändert: Er gab sich immer gleich und sah immer gleich aus.

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Akron (Carl Friedrich Frey)

1. 5. 1948, 21:07 LT, 20:07 GT
Münsterlingen/TG, CH (47N38, 9E14)
Koch (GZQ: persönliche Mitteilung, A)

 
   

Carl Friedrich Frey ist an einem 1. Mai geboren, in der Walpurgisnacht, wie er jeweils etwas ungenau anmerkte. Doch sein Lieblingsdatum stand im Jahresreigen genau gegenüber: der 1. November – Allerheiligen, der Tag nach Halloween. Und in letzteren beiden Ereignissen spiegeln sich die zwei Seelen ach in seiner Brust: der Hang zum Erhabenen, auch gerne mal leise Sentimentalen (Wagner, Schubert, Romantik, Weihnachtsfest im Walde usw.) und der Hang zum Abtrünnigen, Abgründigen, auch gerne mal Boshaft-Zynischen, Erschreckenden (dominante Opposition auf der Achse neun/drei). In seinen guten Momenten schaffte er es tatsächlich, die beiden Seiten zu amalgamieren und zu transmutieren – dann war er der beste, der wärmste und einfühlsamste Lebensberater, der mit luzidem Blick die Seelennöte des Gegenübers erkannte und ratreichen Trost anbot; der Freund, mit dem man in einer abgehobenen, geschützten Eigenwelt einen unbedrängten Blick auf die eigene Existenz werfen durfte. Plutonische Attribute (AC in Skorpion, Pluto-Stellung) hafteten ihm im Übrigen an: Dominanz mit Schlagseite zu Manipulation, Provokation, Maskierung, Faszination für Seelen(ab)gründe und Schattenwelten.

In seinem Leben hat er vieles unternommen. In den Sechzigern spielte er Schlagzeug in Rockbands, gab eine Schweizer Untergrundzeitung heraus, um dann 1972 sein erstes (literarisches) Buch in einem Kleinverlag zu veröffentlichen: «Wessen Auge sind die Sterne?». 1976 inszenierte er eine von ihm getextete Rockoper am Stadttheater St. Gallen. Zur gleichen Zeit war er Kulturkritiker bei der «Ostschweizer AZ» und rezensierte klassische Konzerte; das ging so lange, bis er einmal eine Aufführung besprach, die gar nicht stattgefunden hatte. Er behauptete später, dass seine Kritik auf jeden Fall zugetroffen hätte – der Schalk.

Zu dieser Zeit lernte ich Charles oder Charly, wie ihn alle nannten, kennen. Kurz darauf (1980) gründeten mein Freund Urs Tremp und ich die esoterische Zeitschrift «Essentia». 1982 wollten wir Charles’ literarisch ambitioniertes Werk «Wessen Auge ist die Sonne?» verlegen und boten es unseren Lesern zum Kauf an, mussten dann aber mangels einer Bestellung auf die Herstellung verzichten. Da Charles sich seit vielen Jahren auch esoterisch-astrologisch beschäftigte, kam schliesslich der Tag, an dem er in meinem Büro stand und zu mir sagte: «Ich hatte letzte Nacht einen Traum, in dem mir von der Grossen Bruderschaft der Name Akron gegeben wurde.» Demgemäss sollte er seine Botschaften künftig als solcher in die Welt tragen – vorerst mal in unserer Zeitschrift. Das passende Akron-Logo hatte er auch schon im Kopf, und ich musste es sofort reinzeichnen. Und so geschah es, dass Akron am 21. März 1985 in unserem Heft zum ersten Mal unter diesem Namen publizierte – eine Kolumne auf Seite 1, die mit dem schönen Satz endete: «Suchen wir in unseren Herzen die Erinnerung. Dann haben wir den Weg zum Herzen schon gefunden.» (Sonne/Merkur am aufsteigenden Mondknoten in Stier.)

1988 erschien dann mit einigem Erfolg sein erstes Astrologiebuch «Jenseits der Schwelle», der eigentliche Startschuss von Akron. Mehrere ausgezeichnete Astrologie- und Tarotbücher folgten. «Der Crowley-Tarot» (zusammen mit Hajo Banzhaf) war ein richtiger Hit, welcher Charles «die Pension sicherte», wie er mir einmal sagte. Mit Crowley konnte er zudem seine (schwarz-) magischen Leidenschaften philosophisch adaptieren. Er schuf nun die eigentliche Akron-Lehre der Schattenarbeit, die in seinen unkonventionellen Büchern wort- und seitenreich beschrieben ist. Einen eigenen Orden zu gründen, lag da nicht fern (Templum Baphomae), doch habe ich dort nie jene seltsamen Anmassungen beobachtet, wie gemeinhin zu befürchten wäre.

Charles glaubte fest an eine jenseitige Welt, Leben und Tod gehörten für ihn zusammen. Er verspürte schon immer ein grosses Sehnen danach: «Heim zum Vater», wie er es nannte. Ganz von dieser Welt war er wohl nicht. So liebte er auch die Alt-Rhapsodie von Brahms: «Ist auf deinem Psalter, Vater der Liebe, ein Ton seinem Ohre vernehmlich, so erquicke sein Herz!» (Goethe). Am 23. August bekam Charles eine Krebsdiagnose. Fieberhaft beendete er noch sein letztes Buch (zusammen mit Arjun): «Die Goldenen und die Glocke am Ende der Zeit», bevor eine akute Lungenentzündung eine Abkürzung zum Vater auftat. Von seinen Liebsten konnte er sich bewusst und einverstanden verabschieden.
 


Armando Bertozzi, von 1976 bis 1981 Kurse in Astrologie, Alchemie und Kabbala; 1980 bis 1988 Redaktor und Mitherausgeber von «Essentia – Zeitschrift für evolutionäre Ideen»; seit 1989 Chefredaktor von ASTROLOGIE HEUTE (E-Mail: Armando Bertozzi)

 

 

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