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Nr. 196, 2018, Dez. / Jan. Inhalt
 
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Astro-logische Merk-Würdigkeiten
 

Schöne Bescherung: Schenken und Beschenktwerden
 
von Barbara Egert
 


 

Die weihnachtliche Bescherung ist perfekt: Der Sohn mault über ein total veraltetes Smartphone, das schon ein Jahr auf dem Markt und somit mega-out ist, und die Tochter hätte sich riesig über das neuste iPhone gefreut – stattdessen kriegt sie ein Abo für den Zoo, weil sie ja mal Tierärztin werden will! Beide verschwinden enttäuscht in ihre Zimmer und teilen mit ihren besten Freunden den Kummer nicht erfüllter Erwartungen. Denen ging es ja nicht anders. Statt einer Drohne mit Kamera gab’s ein Paar Ski für den immer und ewig im Februar fälligen gemeinsamen Aktivurlaub in den Bergen. Also am Ende der Welt! Und die beste Freundin hatte sich schon so auf die in einer Boutique entdeckten zerschossenen Jeans gefreut, die für ihren Geldbeutel zu teuer waren, und nun liegen da ganz normale Jeans, von denen sie schon quasi 30 hat.

Frustriert schalten die verlassenen Eltern den Fernseher an: Ah, die Krippe samt heiler Familie! Endlich ist alles wieder, wie es sein sollte. Es ist schön, heisst es, den Augen dessen zu begegnen, dem man soeben etwas geschenkt hat. – Lieber nicht! Und so strahlen nur noch die Kugeln und Kerzen am Weihnachtsbaum – wenigstens die …

Jedes Geschenk tut zwar so, als sei es nur um seiner selbst willen da, doch ist in ihm stets auch eine Botschaft verborgen. Meist lautet die tatsächlich nur: «Ich möchte dir Freude bereiten». Doch wer mit plutonischem Hintersinn vertraut ist und in einer harmlosen Vase auch die Variante eines trojanischen Pferdes zu sehen vermag, der durchschaut auch ein noch so perfektes Präsent als verkleidete Bombe.

Aufmerksam wird beobachtet, wie ich die Vase vom geschmacksneutralen Geschenkpapier befreie. Ich, der beobachtete Beobachter, bemühe mich, mir keine Gemütsbewegung ausser einem sehr verhaltenen Lächeln anmerken zu lassen, das Vorfreude signalisieren soll. Selten habe ich eine so hässliche Vase gesehen! Und wieso überhaupt eine Vase? Hat nicht jeder zweite Haushalt eine Unzahl von geschenkten Vasen auf dem Küchenschrank, die man bei Bedarf erst mal entstauben muss; bis auf die Vasen, die (fast) zu jedem Blumenstrauss passen und ohne Hocker oder Leiter zu erreichen sind?

Ehe ich noch überlegen kann, wo sich das Monstrum verstecken liesse, rät mir mein ausgeprägter venusischer Sinn für Harmonie und neptunische Empathie, gelassen und taktvoll zu reagieren. Doch das Lächeln gefriert mir so nach und nach, und ich verspüre Ärger, weil ich gezwungen bin, ein Gefühl zu heucheln, das ich nicht habe. Merkur/Mars empfehlen mir eine Spur Ironie: «Von den 50 Vasen, die auf dem Küchenschrank stehen, ist das eindeutig die schönste …» Das kann man so oder so deuten. Die Alternative, von der ich mir selbst aber dringend abrate, wäre, das blöde Ding einfach zu Boden fallen zu lassen. Aber selbst wenn ich sie «versehentlich» fallen liesse, hätte mich die alles verzeihende Seite von Neptun noch fest im Griff. Und das ist nicht alles, denn es beginnt das Ticken der zweiten Bombe, die aber erst richtig zündet, wenn man begreift, dass man ab jetzt gezwungen ist, sich angemessen zu revanchieren. Und was heisst hier angemessen?

Vase gegen Buch, wenn man so will. Bei Merkur/Saturn sollte es doch unbedingt ein Sachbuch sein. Wie wäre es mit «Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen», oder «Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl». Das ist noch einfallsreicher als diese Vase. Oder kommt es darauf überhaupt an? Es gilt der Form zu genügen. Und zwar angemessen. Ich hätte ja noch eine tolle Idee, aber so fies will ich dann doch nicht sein: Eine der vielen Biografien über Donald Trump. Aber das wäre gesundheitsgefährdend, weil er mit Pluto auf Mond sowieso schon einen hohen Blutdruck hat …

Die harmlose Frage «Hast du nicht jetzt irgendwann Geburtstag?» lässt sich auch als Doppelbotschaft verstehen: «An meiner Frage merkst du doch, dass du mir nicht egal bist.» Andererseits: «Bilde dir nur nicht ein, dass du mir so wichtig sein könntest, dass ich dich in meinem Kalender verewige.» Passive Aggression, wenn beispielsweise Pluto oder Neptun unseren Mars blockieren, kommt heimtückisch daher, ist schwer zu durchschauen, vergiftet die Atmosphäre.

Und so beginnen oft ganz alltägliche Dramen. Gut getarnt schleichen sie sich an, sondieren das Terrain, spüren wunde Punkte auf, und ehe man sich versieht, ist nichts mehr wie zuvor. Es kann Freunde treffen, aber auch Ehepartner, die immer haarscharf an dem vorbeischenken, was den anderen erfreut hätte. Aber knapp daneben ist halt auch vorbei …    


Barbara Egert, geprüfte Astrologin DAV, jahrzehntelange Astrologieerfahrung; Bücher: «Astro-logische Merkwürdigkeiten – Kolumnen» (2017, nur bei Amazon erhältlich), «Wenn die Kindheit Schatten wirft: Beziehungen, Hochsensibilität, Narzissmus» (2014), «Hochsensibilität im Horoskop» (2012), «Krisen im Horoskop erkennen» (2011), «Kindheitserfahrungen im Horoskop» (2009); ständige Mitarbeiterin von ASTROLOGIE HEUTE, E-Mail: Barbara Egert

 

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