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Heftnummer 198 bestellen
 
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B Ü C H E R S C H A U

 
 

Yoga mit dem Tierkreis verbunden

Kirsten Hanser
Kosmos und Körper

Astromedizin – das Praxisbuch

Hc., 240 S., ca. 85 fg. Abb., € 22,– / sFr. 30.90 fPr
Irisana, D-München 2018

     

Die Fernsehastrologin Kirsten Hanser hat mit dem vorliegenden Werk ein Praxisbuch über Astromedizin geschrieben, das den interessierten Laien anspricht: Kosmos und Körper.

Die Autorin führt sehr verständlich und einfühlsam in die Astrologie ein, erklärt Planeten und Tierkreiszeichen auf humorvolle und leicht verständliche Weise. Ebenso wird erläutert, was Astrologie überhaupt ist und wie sie mittels Analogie-Prinzip wirkt. Auch auf den verantwortungsvollen Umgang des Astrologen mit dem Berufsgelöbnis wird eingegangen. Diese allgemeine Einführung nimmt in dem Buch viel Raum ein. Da es aber für Laien geschrieben ist, ist diese Kurzerläuterung der Astrologie sehr gut gelungen.

Beim folgenden Kapitel, in dem sie auf Dispositoren, aber auch auf den philosophischen Ansatz über Kosmos und das astrologische Weltbild eingeht, wird in leicht verständlicher Sprache eine Einführung in die astrologische Denkweise gegeben. In dem daran anschließenden Kapitel über jeden einzelnen Planeten werden sinnvolle Fragen zu dem jeweiligen Prinzip gestellt, aber auch mit Übungen und Anregungen zur betreffenden Planetenenergie gute Denkanstöße gegeben.

Es folgt AstroZen, eine von der Autorin entwickelte Methode Yoga mit Astrologie zu verbinden; für mich das beste Kapitel in dem Buch überhaupt. Für jedes Tierkreiszeichen werden Übungen dargestellt, welche die jeweils dem Tierkreiszeichen zugehörigen Körperregionen stärken und fördern. Es werden zusätzlich zu den Yogaübungen, die in Bildern sehr verständlich erläutert werden, noch die nötigen Informationen über den Tierkreis vermittelt. Zur leichteren Auffindbarkeit sind diese Übungsseiten farblich vom restlichen Buch abgesetzt.

Den darauffolgenden Beschwerdebildern, dem eigentlichen Thema des Buches “Kosmos und Körper”,  räumt die Autorin eher eine oberflächliche Darstellung ein, vielleicht auch wegen dem Anspruch des populär-astrologisch-medizinischen Ansatzes. Es werden zwar die gängigsten “Volkskrankheiten” wie Depression, Diabetes und viele weitere behandelt, aber auf eine eher sehr vereinfachte Weise.

Hingegen beweist die Autorin wieder große fachliche Kenntnisse, wenn es um die Elementelehren geht. Es wird hier ausführlich auf die Elemente und die Qualitäten wie kardinal, fix und flexibel eingegangen. Die sogenannte Humorallehre bildet einen gelungen Abschluss des interessanten Buches.

Frau Hanser  hat hier ein Werk geschaffen, das den interessierten Laien gut und gründlich in das astrologische Weltbild einführt und bestimmt auch neugierig auf weiterführende Studien macht. Den Anspruch ein astromedizinisches Lehrbuch zu gestalten, hatte sie angesichts der Zielgruppe wahrscheinlich auch nicht. Der Ansatz Yoga mit dem Tierkreis zu verbinden ist das Highlight des Buches. Alleine dafür lohnt sich die Anschaffung des Buches auch für Profi-Astrologen.

–Ute Flörchinger





Schicksal lädt alle Verantwortung auf
 
Anita Cortesi
Schritte zählen

Mein Leben mit dem Guillain-Barré-Syndrom

Pb.,149 S., € 18,95, sFr. 24.30 fPr
Chiron Verlag, D-Tübingen 2015

 

Zunächst ein etwas längerer Vorspann, der zum Thema gehört: Wir schalten zurück zum Beginn der Neunziger Jahre. Die Astrologie boomt, soweit ein Randfach dazu in der Lage ist. Ein paar Stimmen aus wissenschaftlicher und kirchlicher Ecke melden sich besorgt und apologetisch zu Wort. Bemerkenswert ist im Getümmel der Insinuationen und Argumente eine Publikation aus dem protestantischen Raum: Siegfried Böhringer, vormaliger Krankenhauspfarrer, lehnt die Astrologie mit allerlei naturwissenschaftlichen und theologischen Argumenten zwar ab, aber …: Böhringer erkennt an, dass die Astrologen in einer Welt der Vernunft und der Technik die einzigen sind, die das Augenmerk auf das Schicksal richten, auf die Grenzen der Machbarkeit und die Grenzfälle völligen Ausgeliefertseins (S. Böhringer: «Astrologie. Kosmos und Schicksal». Mainz / Stuttgart 1990).

Ob wir weichgespülten psychologischen Astrologen mit unseren esoterischen Varianten machbarer Erleuchtung ausgerechnet das von kirchlicher Seite hören wollten, steht auf einem anderen Blatt der Zeitgeschichte. Immerhin, die Astrologie kennt einen Faktor, dessen Deutung paradox und schicksalsverkündend ist, den Uranus. Wenn Uranus, den übrigens viele Astrologen geradezu als „Planeten der Astrologie“ bezeichnen, mit im Spiel ist, soll man „das Unerwartete erwarten“. Witzigerweise ist Uranus zugleich der Planet der Erfinder, der Technik, ist insofern ein durchaus moderner, zeitgemäßer Faktor. „Schicksal???“ echauffierte sich mal eine meiner Klientinnen: „Sowas gibt es nicht mehr! Die Leute fahren angeschnallt ihre gepanzerten Autos und sind bei der Allianz versichert.“ Das ist ja auch irgendwie Uranus, und ja, Technik besitzt die Geschmacklosigkeit, zeitweilig spektakulär zu versagen. Schicksal … oder doch wenigstens Schlamperei, und dann zahlt die Versicherung nicht!

Die Schulwissenschaften und die Schulmedizin fördern in unseren kühlen Köpfen und kalten Herzen den Blick auf den Menschen als einer phantastischen Maschine. Diese Maschine versagt ebenfalls häufiger, wie überhaupt das Modell „Mensch“ noch nicht so ganz ausgereift scheint. Aber das ist auch irgendwie modern, wir kennen das zur Genüge aus der Welt der Autos und der Küchenmaschinen. Beim Menschen sind dafür dann die medizinischen Reparaturwerkstätten zuständig, und alles wird wieder gut.

Nichts wird wieder gut, Ärzte sind auch nur Menschen. Wer eine chronische oder eine seltene Krankheit hat, muss sich zunächst meist einige Jahre gedulden, bis es eine zutreffende Diagnose gibt. Dann ist es die teure Medikation, die erstens lindert, oder zweitens auch nicht, und die drittens Nebenwirkungen zeigt. Dies und die Krankheit selbst übernehmen die Regie im Leben des Patienten bis zum Grabesrand der Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen.

Bingo! Wir sind mitten in der Sorte Schicksal, zu der auch Anita Cortesis Schicksal gehört. Anita Cortesi, erfolgreiche Schweizer Astrologin, erkrankt Anfang Oktober 2010 schwer – und zwar unter einem massiven Uranus-Transit. Zunächst sieht es nach einer ungewöhnlich (Uranus) heftigen Grippe aus, dann verliert Anita Cortesi das Bewusstsein. Zehn Wochen später wacht sie wieder auf – sie ist gänzlich gelähmt, liegt auf der Intensivstation, das Leben hängt am bekannten seidenen Faden. Sie ist zwar bei Bewusstsein, aber gefangen im eigenen unbeweglichen Leib. Diagnostiziert wird das „Guillain-Barré-Syndrom“, eine Autoimmunkrankheit, bei der es zur Entzündung des peripheren Nervensystems kommt. Nach und nach tritt eine vollständige Lähmung beim Patienten ein, einschließlich der Atem- und Schluckmuskulatur. Intensivbetreuung ist unumgänglich mit künstlicher Beatmung und künstlicher Ernährung. Die Krankheit tritt vergleichsweise selten auf. Sie dauert meist mehrere Monate und benötigt eine lange Rekonvaleszenz. Einer von 20 Fällen verläuft tödlich. Anita Cortesi gehört zu jenem Fünftel von Patienten, bei dem Ausfälle bestehen bleiben.

Anita Cortesi berichtet in ihrem Buch Schritte zählen mit knappen Worten ihre Erfolgsstory in der Astrologie. Sie ist Autorin genialer Deutungstexte sowie mehrerer Fachbücher. „55 Jahre war mein Leben schön“ (S. 14). Und dann die Erkrankung: „Mein Mann brachte mich ins Spital auf die Intensivstation. Eine Zeit des absoluten Horrors begann, sowohl für meine Familie und Freunde, wie auch für mich. Doch ich nahm im nächsten Vierteljahr nur meine seltsame Interpretation von Spital und Krankheit wahr. Ich lebte in einer fremden, irrealen Wahrnehmung“ (S. 16). In dieser Wahrnehmung gibt es bestürzende Sequenzen von Bestrafung und Folter, von Scheitern und Vergeblichkeit, von Hunger und Durst, von Unbehaustsein und Verfolgung bis hin zur Verurteilung zum Tod. Und das alles während der Zehnwochenzeit auf der Intensivstation. „Ich habe seither nie mehr solche Erlebnisse gehabt, wohl aber haben sie mein Weltbild sehr beeinflusst. Vor allem wurde es für mich zu einer Tatsache, dass die sogenannte „Realität“ nur eine von mehreren Möglichkeiten ist. Die Welt ist ein Produkt unserer Wahrnehmung oder – wie die Hindus sagen – eine Illusion“ (S. 30)

Und damit beginnt der Prozess der kleinen und größeren Schritte, die Zeit der Spezialkliniken und der Reha-Aufenthalte, die Zeit der Gebete und der Wieder-Aneignung von verloren gegangenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Zeit des Haderns und der Zuversicht, der Hoffnungen und der Tränen, die Zeit der kleinen Wunder und des großen Wütens und nicht zuletzt die Zeit der Meditation und Aktiven Imagination, in der sich Anita Cortesi regelmäßig übt. „Der Tag nimmt seinen Lauf. Aber immer wieder tauchen meine inneren Bilder auf und ich reiche Jesus mein schweres Herz“ (S. 119).

Anita Cortesi beschönigt nichts. Sie schreibt voller Mut, voller Zorn, voller Liebe – und voller Wehmut. Ja, Anita Cortesi hadert und zweifelt. Aber Anita Cortesi spricht auch von ihrem „inneren Reifungsprozess“ und von sinnlos gewordener Prinzipienreiterei. Da ist der Leitsatz „Man fällt niemandem zur Last“ (S. 147). Und jetzt? In Wahrheit sind wir Menschen extrem aufeinander angewiesen. Das zeichnet unser Menschsein geradezu aus. „Einer trage des anderen Last“ (Gal. 6,2) heißt es subversiv bei Paulus.

Es gibt nichts, was der Astrologe nicht gefragt wird. Eigenerfahrungen dabei sind unumgänglich, sonst taugt die ganze Beratung nichts. Die Fragen nach dem „Schicksal“ gehören auch dazu. Wir kommen also nicht umhin, uns dem Schicksal anheim zu geben. Schicksal nimmt keine Rücksicht und lädt einem alle Verantwortung auf. Das liegt in der Natur des Schicksals. Sich für nicht zuständig zu erklären, ist keine Option für die Astrologie. Ich weiß, das tut weh.

–Christoph Schubert-Weller


 

 

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