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Heftnummer 199 bestellen
 
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 E  D  I  T  O  R  I  A  L  

 

 

Je mehr der Saturn/Pluto-Zyklus in seiner knapp vier Jahrzehnte dauernden Entwicklung auf sein Ende zusteuert, desto grösser erscheinen die Problemberge, die sich auftürmen und hinter denen Abgründe lauern. Der exakte Tag der Konjunktion ist bekanntlich der 12. Januar 2020, aber diese wichtige Konstellation geht natürlich über den Tag hinaus. Saturn und Pluto sind astrologisch gesehen zwei mächtige Planeten, und sie befinden sich schon dieses Jahr im Orbis der Wirksamkeit ihres Zusammenspiels. Das Ganze geschieht im Steinbock-Zeichen, wo der Saturn sein Zuhause hat und wo es um gesellschaftliche Belange wie Regeln und Pflichten geht, aber auch um Eigenverantwortung, Konsequenz, Verzicht und Strafe. Saturn und Pluto stehen derzeit noch beim absteigenden Mondknoten, was Verhaltensmuster anzeigen kann, die nicht mehr der aktuellen Realität und Notwendigkeit entsprechen. [S. 5, 46 ff.] Steinbock, Saturn und absteigender Mondknoten sind Lobbyisten der Vergangenheit – dort, wo unser Sündenfall (Pluto) seinen Ursprung hat.

Die Sünden sind Umweltsünden und die Problemberge sind Müllberge. Unser moderner Lebensstil mit seiner haltlosen Gebrauchs-, Verbrauchs- und Missbrauchskultur hat ein Ungeheuer gezeugt, das uns aufzufressen droht. Immer mehr zeigt sich, dass unser grösstes Problem nicht der amerikanische Präsident ist. Dieser erscheint je länger, je mehr nur als Figur mit Schattenfunktion, indem er uns unbewusst an unseren eigenen Egoismus, unsere eigene Rücksichtslosigkeit und Ignoranz erinnert. Sieht man sich nämlich die zentrale Problematik unserer Zeit etwas genauer an – und dazu zwingen uns die deprimierenden Berichte über Plastikmüll und Klimakatastrophe [S. 40 ff, 44 f.] –, kann man wie Jesus am Ölberg nur noch weinen und beten, dass dieser Kelch an uns vorübergehen möge, während wir gleichzeitig jedoch fast alle am Schlafen sind.

Aufwecken will uns Greta Thunberg. Dieser bemerkenswerte Mensch [S. 24 f., S. 37 ff.] hat in den letzten Monaten mit fast stummer Konsequenz eine weltumspannende Bewegung in Gang gebracht. Das Ende eines Zyklus ist immer auch ein Anfang, das wissen nicht nur die Astrologen. Ob Thunberg und die «Fridays for Future»-Protestler den Beginn eines Umdenkens und einer wirkungsvollen Umkehr markieren, weiss ich nicht; ich glaube aber, dass die Jungen es richten müssen, wir Alten schaffen das wohl nicht mehr. Deshalb ist diese Bewegung eine gute, auch wenn sie mir ein wenig schlaff daherkommt. Aber vielleicht ist gerade das das Revolutionäre. Die Saturn/Pluto-Konjunktion ist der Brennpunkt, wo die Problematik sich kristallisiert und die Geister sich scheiden. Wird Einsicht Einkehr halten? Oder sperren wir sie aus und lassen uns treiben? Es ist ein Kreuz mit den Menschen.

Jesus stirbt am Kreuz: das Bild eines apokalyptischen Endes. Der dramatische und qualvolle Tod zum Schluss einer dreistündigen Finsternis auf einem Hügel, der eine Schädelstätte ist, hat von der Symbolik her Saturn/Pluto-Qualität. Auch Kreuzigung und Auferstehung [S. 16 ff.] beschreiben einen Brennpunkt, wo sich Ende und Anfang die Hand reichen. Pluto verkörpert astrologisch diese Phönix-aus-der-Asche-Qualität. Wie das in Sachen «Rettet die Erde» gehen soll, ist mir aber schleierhaft.

Armando Bertozzi
Redaktor

  


Armando Bertozzi, von 1976 bis 1981 Kurse in Astrologie, Alchemie und Kabbala; 1980 bis 1988 Redaktor und Mitherausgeber von «Essentia – Zeitschrift für evolutionäre Ideen»; seit 1989 Chefredaktor von ASTROLOGIE HEUTE (E-Mail: Armando Bertozzi)

 

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