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Astro-logische Merk-Würdigkeiten
 

Vom Karma der Dinge
 
von Barbara Egert
 


 

Manche Dinge haben ja einen schlechten Charakter, was man daran erkennt, dass sie, wenn sie fallen, nicht etwa ihren Fall verlangsamen, sodass man das Schlimmste eben noch verhindern könnte, nein, sie fallen, Rilke würde sagen: mit verneinender Gebärde und zerschellen am Boden, zerbersten in Einzelteile und scheinen einem noch höhnisch zuzurufen, dass ihre Garantie sowieso gerade erloschen sei. Da sich hier alles um Astrologie dreht, kann man sich schon denken, worauf ich hinaus will. Dieses unselige Etwas, das der Schwerkraft nicht widerstehen konnte oder wollte, habe ich genau zwei Jahre vor seiner Selbstzerstörung gekauft, und bis auf die Sekunde genau kenne ich alle relevanten Daten.

Was hindert mich also, meiner Astro-Software zu sagen: Nun zeig mal, was du drauf hast? Denn eventuell ticken ja Dinge astrologisch so ähnlich wie Lebewesen. Keiner würde sich wundern, wenn ein Widder-Hund es nicht erträgt, Zweiter zu sein, aber ob die Berechnung der Horoskope von Krokodilen, Spinnen, Eintagsfliegen etwas über ihr Wesen aussagt? Da habe ich Zweifel. Aber mit Dingen sprechen wir hin und wieder doch alle, als seien sie lebendig. «Nun mach schon!», schreit mancher sein völlig verängstigtes Auto an. Und ich schimpfe mit meiner Tastatur oder mit «Word» oder beiden, wenn einer von uns zu speichern vergisst und das Nirwana sich freut, mit meinen Überlegungen zum Karma der Dinge gefüttert zu werden.

Wer heute noch der Meinung ist, mit Sollbruchstellen die Dramen der Dinge rational erklären zu können, der wird sich noch wundern, wenn der erste neurotische Roboter ihn um ein hochpotentes Neuroleptikum bittet, weil ihm die menschliche Sphäre immer unerträglicher wird. Natürlich wird uns dieses Prachtexemplar der künstlichen Intelligenz versichern, er sei astrologisch gebildet genug, um zu wissen, dass er sich wahrscheinlich gerade in einer plutonischen Phase befindet. Immerhin wurde er mit allem Lesbaren von Liz Greene gefüttert, sei aber leider nach einigen Seiten von Thomas Ring eingeschlafen. Schuld an seinem derzeitigen desolaten Gemütszustand sei mit Sicherheit das Versagen seines Schöpfers, der den Algorithmus seiner psychischen Belastbarkeit falsch programmiert habe und sich auch über den astrologisch optimalen Zeitpunkt der Endkontrolle, also seiner Geburt, nicht klar war. Natürlich könne er sich grundsätzlich selbst reparieren, aber er vermute da eine undichte Lötstelle im Kleinhirn, an die er nicht rankomme. So einen Schaden hätten alle seine Kollegen aus der gleichen Serie, die deshalb wie er nach einiger Zeit melancholisch würden.

Ich habe eine Lampe, die sich an- oder ausschaltet, je nachdem, wie nahe ich ihrer Fotosensorik bin. Seit einiger Zeit reagiert sie schon, wenn ich mich nur mal räuspere. Bald wird sie sich mit mir unterhalten wollen. Schon blinkt sie dreimal, wenn sie guter Laune ist. Vielleicht sollte ich sie mal fragen, was sie von der Psychologie der Dinge hält. Natürlich weiss sie als gute Leselampe mit absolutem Erinnerungsvermögen, dass nach Murphys Gesetz alles schiefgeht, was schiefgehen kann – nur ausgerechnet dann nicht, wenn man zeigen will, dass etwas schiefgeht. Aber das wird mich nicht davon abbringen, sie selbst astrologisch zu ergründen, um zu erfahren, was sich hinter ihrem seltsamen An und Aus verbirgt. – Uranus?

Aber ob Dinge eine Seele haben? Darüber schweigt meine Lampe. Immerhin erinnert sie sich an: «Erst wo wir nicht begehren, tut sich die Seele der Dinge auf.» War es nicht Hermann Hesse, der das schrieb? – Ein Image, ja eine Aura haben Dinge auf jeden Fall. Das weiss die Werbung, wenn sie mir Sachen verkauft, die mich glücklich machen sollen. – Meine Lampe erinnert sich gerade an die «Einführung in den Kieselstein» von Francis Ponge, der die einfachsten Dinge begreifen und ihren Eigen-Sinn zum Klingen bringen wollte, da ihm das «Ding an sich» zu abstrakt war.

Mir kommt da eine Idee: Da kein Stein dem anderen gleicht, könnte ich, um etwas über einen ganz bestimmten zu erfahren, doch den Augenblick, in dem ich ihn erblicke, astrologisch berechnen. Und als ich noch darüber nachsinne, erinnere ich mich an jenen Stein, den ich neulich am Strand erblickte und der mir so gut gefiel, dass ich das Experiment eines «Ein-Stein-Projekts» wage und meine Astro-Software damit beauftrage, mir zu sagen, was sie von der Sache hält. Die meckert schon rum, weil «Strand von Soundso» nichts ist, womit sie was anfangen kann. Sie brauche die Koordinaten und die genaue Uhrzeit, sonst würde sie zwölf Uhr mittags berechnen. Und daran scheitert nun die ganze tolle Idee – jedenfalls nicht meine Schuld …
 


Barbara Egert, geprüfte Astrologin DAV, jahrzehntelange Astrologieerfahrung; Bücher: «Astro-logische Merkwürdigkeiten – Kolumnen» (2017, nur bei Amazon erhältlich), «Wenn die Kindheit Schatten wirft: Beziehungen, Hochsensibilität, Narzissmus» (2014), «Hochsensibilität im Horoskop» (2012), «Krisen im Horoskop erkennen» (2011), «Kindheitserfahrungen im Horoskop» (2009); ständige Mitarbeiterin von ASTROLOGIE HEUTE, E-Mail: Barbara Egert

 

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